Pink Tax in Deutschland: Warum Produkte für Frauen oft mehr kosten

Frau Drogerie

Ein Rasierer in Schwarz, einer in Rosa. Beide erfüllen denselben Zweck und trotzdem kann die Variante „für Frauen“ mehr kosten. Genau dieses Phänomen wird als Pink Tax bezeichnet.

Und nein: Die Pink Tax in Deutschland ist keine echte Steuer. Niemand schlägt an der Kasse offiziell einen „Frauenaufschlag“ auf die Rechnung. Der Begriff beschreibt vielmehr Preisunterschiede bei Produkten und Dienstleistungen, die gezielt für Frauen vermarktet werden. Die Verbraucherzentrale nennt etwa Rasierprodukte, Parfüm, Friseurleistungen und Textilreinigungen als Beispiele.

Das Ärgerliche daran? Manchmal kaufen wir nicht einmal ein grundlegend anderes Produkt. Wir kaufen dieselbe Funktion, nur hübscher verpackt, anders beduftet und mit einem „For Women“ darauf.

Was ist die Pink Tax?

„Pink Tax“ lässt sich mit „pinker Steuer“ übersetzen und wird auch als Gender Pricing bezeichnet. Gemeint ist, dass vergleichbare Produkte oder Dienstleistungen abhängig davon unterschiedlich viel kosten können, ob sie für Frauen oder Männer angeboten werden.

Wichtig ist dabei die Differenzierung: Nicht jedes Frauenprodukt ist automatisch teurer. Eine Untersuchung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes kam bereits 2017 zu dem Ergebnis, dass der überwiegende Teil der untersuchten Produkte und Dienstleistungen zum gleichen Preis angeboten wurde. Deutliche Unterschiede zeigten sich allerdings in bestimmten Bereichen.

Pink Tax in Deutschland: Wo zahlen Frauen tatsächlich mehr?

Besonders häufig wird über die Pink Tax bei Körperpflege und Beauty gesprochen. Und dafür gibt es einen ziemlich simplen Grund: Hier lassen sich Produkte für Frauen und Männer teilweise unmittelbar miteinander vergleichen.

Rasierer und Rasierschaum

Rosa Verpackung, floraler Duft, vielleicht ein „Sensitive“ auf der Dose und schon befindet sich ein Produkt in der Frauenabteilung. Die Verbraucherzentrale Hamburg untersucht solche Preisunterschiede seit Jahren. Die gute Nachricht: Bei vielen Einwegrasierern haben sich die Preise inzwischen angenähert. Ganz verschwunden ist das Problem aber nicht.

Beim Marktcheck 2025 war beispielsweise ein untersuchter Rasierschaum in der Frauenvariante 55 Prozent teurer als das vergleichbare Männerprodukt. Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf den Grundpreis statt nur auf den Preis der Verpackung.

Parfüm und Kosmetik

Auch bei Parfüms dokumentierte die Verbraucherzentrale Hamburg wiederholt deutliche Preisunterschiede zwischen Frauen- und Männervarianten. Gleichzeitig zeigt ihre langjährige Beobachtung, dass sich die Situation in einigen Produktgruppen verbessert hat. Pink Tax bedeutet also nicht: Alles für Frauen ist teurer.

Es bedeutet vielmehr: Es gibt Produktbereiche, in denen ein genauer Preisvergleich verdammt sinnvoll sein kann.

Pink Tax gibt es nicht nur im Drogerieregal

Noch interessanter wird es bei Dienstleistungen. Die Untersuchung der Antidiskriminierungsstelle von 2017 zeigte beispielsweise, dass bei fast 90 Prozent der untersuchten Friseurbetriebe für einen vergleichbaren Kurzhaarschnitt bei Frauen ein höherer Preis verlangt wurde. Bei etwa einem Drittel der untersuchten Reinigungen kostete die Reinigung einer Damenbluse pauschal mehr als die eines Herrenhemdes.

Natürlich kann ein Haarschnitt unterschiedlich aufwendig sein. Lange Haare können mehr Zeit benötigen, bestimmte Techniken ebenfalls. Aber dann wäre doch eigentlich die logischere Frage: Wie aufwendig ist diese konkrete Leistung? Und nicht: Ist die Person auf dem Friseurstuhl eine Frau oder ein Mann?

Warum existiert die Pink Tax?

Dahinter steckt unter anderem geschlechtsspezifisches Marketing. Seit Jahrzehnten lernen wir, dass bestimmte Farben, Düfte und Produkte vermeintlich für Frauen und andere für Männer gedacht sind. Sie: rosa, weich, floral, elegant. Er: schwarz, sportlich, „Power“, am besten noch irgendetwas mit Eisbergen.

Pink Tax in Deutschland
Unter Pink Tax steckt geschlechterspezifisches Marketing.

Man kann darüber lachen. Problematisch wird es, wenn diese künstliche Trennung dazu führt, dass vergleichbare Produkte zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden. Die Verbraucherzentrale verweist außerdem darauf, dass Unternehmen unterschiedliche Zahlungsbereitschaften von Zielgruppen für ihre Preisgestaltung nutzen können.

„Dann kauf doch einfach den Männer-Rasierer“

Klar. Können wir. Und ich würde tatsächlich jeder Frau empfehlen, einmal ganz schamlos ins vermeintliche Männerregal zu greifen und die Grundpreise, Mengen und Inhaltsstoffe zu vergleichen. Aber der Satz löst das grundsätzliche Problem nicht.

Denn wir wachsen mit geschlechtsspezifischem Marketing auf. Uns wird früh vermittelt, welche Produkte „für uns“ gedacht sind. Die Verbraucherzentrale kritisiert genau diese Trennung und weist darauf hin, dass Produkte in Geschäften teilweise sogar räumlich getrennt angeboten werden – was direkte Preisvergleiche zusätzlich erschweren kann.

Ist die Pink Tax in Deutschland verboten?

Es gibt in Deutschland kein eigenes Gesetz namens „Pink-Tax-Verbot“. Bei Dienstleistungen kann eine unterschiedliche Behandlung allein aufgrund des Geschlechts allerdings rechtlich relevant werden. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass eine Person, die allein wegen ihres Geschlechts mehr bezahlen soll, sich auf das Diskriminierungsverbot berufen kann.

Bei unterschiedlich gestalteten Produkten ist die Situation komplizierter: Hersteller können verschiedene Produktvarianten anbieten und Händler Preise festlegen.

Was kannst du gegen Pink Tax tun?

Das Einfachste ist gleichzeitig ziemlich effektiv: Vergleichen. Ignoriere für einen Moment Rosa, Schwarz, „Women“ und „Men“ und schau stattdessen auf Inhalt, Menge, Funktion und Grundpreis. Wenn das vermeintliche Männerprodukt dasselbe kann und günstiger ist: Nimm es.

Bei Dienstleistungen lohnt sich ebenfalls Nachfragen. Warum kostet dein Kurzhaarschnitt mehr? Wird nach Geschlecht oder tatsächlich nach Aufwand und Zeit berechnet? Und vor allem: Sprich darüber. Denn viele von uns bemerken solche Unterschiede erst, wenn jemand anderes sagt: „Moment mal – hast du mal geschaut, was die andere Variante kostet?“

Pink Tax ist mehr als ein pinker Rasierer

Bei zwei Euro Preisunterschied könnte man natürlich sagen: Ist doch egal. Aber genau darum geht es eigentlich nicht. Es geht um eine Konsumwelt, in der Frauen über Jahrzehnte vermittelt wurde, dass sie für ihren Körper unzählige spezielle Produkte brauchen: für glatte Haut, glänzende Haare, weniger Falten, weichere Beine, schönere Nägel und natürlich am besten jeweils in der eigens für sie gestalteten Variante.

Nicht jedes dieser Produkte ist teurer. Nicht jeder Preisunterschied ist automatisch ungerechtfertigt. Aber wenn zwei vergleichbare Dinge unterschiedlich viel kosten, nur weil eines offensichtlich als „weiblich“ vermarktet wird, dürfen wir zumindest eine ziemlich einfache Frage stellen: Warum eigentlich?

Und vielleicht drehen wir beim nächsten Drogeriebesuch einfach einmal die rosa und die schwarze Packung um und vergleichen. Unser Portemonnaie interessiert sich schließlich herzlich wenig dafür, für welches Geschlecht ein Rasierer angeblich gedacht ist.

FAQ zur Pink Tax in Deutschland

Was bedeutet Pink Tax?

Pink Tax bezeichnet Preisunterschiede, bei denen speziell für Frauen vermarktete Produkte oder Dienstleistungen teurer angeboten werden als vergleichbare Angebote für Männer. Es handelt sich nicht um eine tatsächliche Steuer.

Gibt es die Pink Tax in Deutschland?

Ja, entsprechende Preisunterschiede wurden auch in Deutschland dokumentiert. Besonders bekannt sind Beispiele aus den Bereichen Rasurprodukte, Parfüm, Friseurleistungen und Textilreinigung. Gleichzeitig sind viele vergleichbare Frauen- und Männerprodukte preisgleich.

Warum heißt es Pink Tax?

Der Begriff spielt darauf an, dass Produkte für Frauen häufig durch rosa beziehungsweise „feminines“ Design gekennzeichnet werden und vergleichbare Frauenvarianten teilweise mehr kosten.

Wie kann ich Pink Tax vermeiden?

Vergleiche Grundpreise, Mengen, Inhaltsstoffe und Funktionen statt nur Verpackungen. Auch geschlechtsneutrale oder als Männerprodukte vermarktete Varianten können eine günstigere Alternative sein.

Ist Pink Tax verboten?

Ein spezielles Pink-Tax-Gesetz gibt es in Deutschland nicht. Eine unterschiedliche Preisgestaltung bei Dienstleistungen allein aufgrund des Geschlechts kann jedoch gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen.

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