Ich glaube, kaum etwas lässt einen als Mama auf dem Spielplatz schneller innerlich zusammenzucken als dieser Moment: Dein Kind steht vor einem anderen Kind und haut plötzlich zu. Sofort laufen tausend Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Oh Gott, hat das jemand gesehen? Warum macht mein Kind das? Muss ich strenger sein? Und was denken jetzt die anderen Eltern über uns? Vor allem aber möchte man natürlich, dass das andere Kind nicht noch einmal verletzt wird.
Wenn dein Kind andere Kinder haut, braucht es deshalb eine klare Grenze. Gleichzeitig bedeutet Hauen gerade bei kleinen Kindern nicht automatisch, dass dein Kind „aggressiv“ ist oder du in deiner Erziehung etwas grundlegend falsch gemacht hast.
Warum haut mein Kind andere Kinder?
Kleine Kinder haben große Gefühle, aber noch längst nicht immer die Fähigkeiten, diese Gefühle zu regulieren oder in Worte zu fassen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit erklärt, dass Kinder den Umgang mit starken Gefühlen und die Fähigkeit, Konflikte anders als körperlich zu lösen, erst nach und nach lernen müssen. Gerade Kleinkinder, die sprachlich noch nicht so weit sind, können deshalb manchmal körperlich reagieren. Hinter einem Schlag kann zum Beispiel stecken:
- Frust, weil ein anderes Kind das Spielzeug genommen hat
- Wut, weil etwas nicht funktioniert
- Überforderung oder Müdigkeit
- Eifersucht
- Aufregung und fehlende Impulskontrolle
Auch die American Academy of Pediatrics weist darauf hin, dass Kleinkinder und Vorschulkinder noch nicht dieselbe Selbstkontrolle besitzen wie Erwachsene und Frust deshalb beispielsweise durch Hauen oder Beißen ausdrücken können. Das Gefühl hinter dem Hauen darf da sein. Das Hauen selbst darfst und solltest du trotzdem stoppen.
Kind haut andere Kinder: So reagierst du in dem Moment
Wenn mein Kind gerade ein anderes Kind geschlagen hätte, würde ich in diesem Moment keine lange pädagogische Rede halten. Erst einmal geht es darum, die Situation zu stoppen und das andere Kind zu schützen. Geh dazwischen, verhindere einen weiteren Schlag und sage ruhig und deutlich: „Stopp. Ich lasse nicht zu, dass du haust.“ Oder: „Du bist wütend. Aber wir hauen nicht. Hauen tut weh.“ Mehr braucht es in diesem Moment häufig gar nicht.
Der NHS empfiehlt ebenfalls, unmittelbar einzugreifen, klarzumachen, dass Hauen weh tut, und nicht mit körperlicher Aggression zu reagieren.
Erst das verletzte Kind trösten
Dieser Punkt ist mir besonders wichtig. Natürlich möchte ich verstehen, warum mein Kind gehauen hat. Aber zuerst wurde gerade ein anderes Kind verletzt. Schau deshalb zunächst, wie es diesem Kind geht. Tröste es gegebenenfalls und kümmere dich darum, dass es sich wieder sicher fühlt. Dein eigenes Kind darf dabei erleben: Wenn ich jemanden verletze, nimmt Mama das ernst. Das ist etwas anderes als Beschämung.
Bitte mach aus deinem Kind kein „böses Kind“
„Warum bist du immer so gemein?“ „Du bist böse.“ „Keiner möchte mit dir spielen, wenn du so bist.“ Solche Sätze treffen nicht nur das Verhalten, sondern das Kind selbst. Versuche stattdessen, beides voneinander zu trennen: „Ich liebe dich. Und ich lasse trotzdem nicht zu, dass du andere haust.“
Das ist für mich einer der wichtigsten Gedanken überhaupt: Wir können unser Kind liebevoll begleiten und gleichzeitig glasklare Grenzen setzen.

Was mache ich nach dem Hauen?
Wenn dein Kind wieder ruhiger ist, kannst du gemeinsam anschauen, was passiert ist. Vielleicht: „Du wolltest den Bagger haben und warst richtig wütend.“ Und anschließend: „Du darfst wütend sein. Aber du darfst nicht hauen. Du kannst sagen: Ich will den Bagger zurück.“ Kinder müssen Alternativen schließlich erst lernen. Nur „Nicht hauen!“ sagt einem Zweijährigen noch nicht, was er stattdessen mit seiner Wut machen soll.
Das passt auch zu etwas, das wir bei HerNow immer wieder bei Entwicklungsthemen sehen: Sprache hilft Kindern zunehmend dabei, Bedürfnisse und Gefühle auszudrücken. Wenn dich das gerade beschäftigt, lies auch Ab wann sprechen Kinder in ganzen Sätzen? oder Mein Kind spricht wenig: Wann ist das noch normal?.
Muss mein Kind sich sofort entschuldigen?
Ich würde ein aufgesagtes „Tschuldigung“ nicht zum eigentlichen Ziel machen. Ein völlig aufgelöstes Kleinkind versteht möglicherweise gerade überhaupt nicht, warum es jetzt dieses eine Wort sagen soll. Du kannst stattdessen Empathie vormachen: „Das hat wehgetan. Wir schauen mal, ob es ihm gut geht.“ Später könnt ihr gemeinsam überlegen, wie dein Kind die Situation wiedergutmachen kann.
Was, wenn mein Kind immer wieder haut?
Dann lohnt sich Detektivarbeit. Passiert es immer, wenn dein Kind müde ist? Wenn jemand sein Spielzeug nimmt? In großen Gruppen? Kurz vor dem Essen? Während der Kita-Eingewöhnung oder in anderen Phasen mit vielen Veränderungen?
Wenn du Muster erkennst, kannst du manchmal schon eingreifen, bevor die kleine Hand überhaupt ausholt. Auch der NHS empfiehlt, mögliche Auslöser wie Frust, Müdigkeit oder Eifersucht genauer anzuschauen.
Wann sollte ich mir Hilfe holen?
Gelegentliches Hauen kommt bei kleinen Kindern vor und bedeutet nicht automatisch, dass später ein aggressives Verhalten daraus entsteht. Wenn dein Kind allerdings sehr häufig oder heftig andere verletzt, das Verhalten über längere Zeit zunimmt, auch in der Kita große Schwierigkeiten verursacht oder du schlicht das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, musst du damit nicht allein bleiben.
Sprich mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt und gegebenenfalls mit den pädagogischen Fachkräften in der Kita. Gerade sie können oft erzählen, in welchen Situationen das Verhalten auftritt und was unmittelbar davor passiert.
Und bitte: Mach dich als Mama nicht fertig
Dieser Teil liegt mir wirklich am Herzen. Wenn dein Kind auf dem Spielplatz haut, fühlt es sich manchmal an, als würden plötzlich zehn Augenpaare nicht nur dein Kind, sondern direkt deine komplette Erziehung bewerten. Aber dein Kind ist noch dabei, etwas ziemlich Großes zu lernen: Ich bin wütend. Was mache ich jetzt mit diesem Gefühl?
Unsere Aufgabe ist nicht, dafür zu sorgen, dass ein Kleinkind niemals überfordert, wütend oder impulsiv reagiert. Unsere Aufgabe ist, immer wieder dieselbe Grenze zu zeigen: Du darfst wütend sein. Du darfst frustriert sein. Aber du darfst niemandem wehtun. Und ja – manchmal müssen wir diesen Satz ungefähr 847-mal sagen. Elternsein eben.
FAQ: Kind haut andere Kinder
Ist es normal, dass Kleinkinder andere Kinder hauen?
Hauen, Beißen oder Schubsen kann insbesondere im Kleinkindalter vorkommen. Kinder müssen Impulskontrolle, Sprache und den Umgang mit starken Gefühlen erst entwickeln.
Wie reagiere ich, wenn mein Kind ein anderes Kind haut?
Greif sofort ein, stoppe das Hauen ruhig und eindeutig und kümmere dich um das verletzte Kind. Danach kannst du deinem Kind helfen, das Gefühl hinter seinem Verhalten zu benennen und eine Alternative zu finden.
Sollte ich zurückhauen, damit mein Kind merkt, wie es sich anfühlt?
Nein. Damit würdest du deinem Kind ausgerechnet durch Hauen vermitteln wollen, dass Hauen nicht erlaubt ist. Der NHS rät ausdrücklich davon ab, ein Kind zurückzuschlagen, zu treten oder zu beißen.
Sollte mein Kind sich nach dem Hauen entschuldigen?
Du kannst eine Entschuldigung anregen, sobald dein Kind wieder ruhig ist. Wichtiger als ein erzwungenes Wort ist jedoch, ihm langfristig zu helfen, Empathie, Grenzen und andere Möglichkeiten im Umgang mit Wut zu lernen.
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