Ich wünsche mir für meine Tochter vieles. Dass sie gesund ist, Menschen findet, die sie lieben, und später einmal glücklich auf ihr Leben schaut. Aber wenn ich mir eine Sache aussuchen müsste, die ich ihr unbedingt mitgeben möchte, wäre es wahrscheinlich diese: Sie soll wissen, dass sie gut ist, so wie sie ist. Und genau hier beginnt Selbstvertrauen bei Kindern. Nicht damit, dass ein Kind immer mutig ist, nie zweifelt oder sich alles zutraut. Sondern mit dem Gefühl: Ich kann Dinge schaffen. Ich darf Fehler machen. Und auch wenn etwas nicht klappt, bin ich trotzdem wertvoll.
Doch wie können wir Eltern dieses Gefühl stärken, ohne unseren Kindern permanent einzureden, dass sie in allem die Allerbesten sind?
Wie entwickelt sich Selbstvertrauen bei Kindern?
Selbstvertrauen entsteht nicht über Nacht. Kinder sammeln jeden Tag kleine Erfahrungen darüber, was sie können, wie andere Menschen auf sie reagieren und ob ihre Gefühle und Bedürfnisse ernst genommen werden. Wenn dein Kind versucht, allein die Schuhe anzuziehen, vom Klettergerüst springt oder zum ersten Mal ohne dich in der Kita bleibt, passiert deshalb mehr als nur ein neuer Entwicklungsschritt.
Es sammelt die Erfahrung: Ich kann etwas bewirken. Ich kann Herausforderungen bewältigen. Gerade deshalb gehört auch Scheitern dazu. Als Mama ist das manchmal verdammt schwer auszuhalten. Man sieht schon drei Sekunden vorher, dass der Turm gleich umfällt, der Reißverschluss nicht funktionieren wird oder das Kind frustriert sein wird und möchte am liebsten sofort eingreifen. Aber manchmal ist genau das Nicht-Eingreifen das größere Geschenk.
Selbstvertrauen bei Kindern stärken: 7 Dinge, die im Alltag helfen
Es braucht keine speziellen Übungen, um das Selbstvertrauen von Kindern zu stärken. Viele entscheidende Situationen entstehen mitten im Alltag.
1. Lass dein Kind Dinge selbst ausprobieren
„Ich alleine!“ kann mit einem Kleinkind ungefähr 47-mal am Tag fallen und meistens genau dann, wenn man eigentlich dringend losmuss. Trotzdem lohnt es sich, Kindern möglichst oft Raum dafür zu geben. Natürlich brauchen sie Unterstützung. Aber Unterstützung bedeutet nicht automatisch, ihnen jede Schwierigkeit abzunehmen.
Warte einen Moment ab, bevor du eingreifst. Frag beispielsweise: „Möchtest du Hilfe?“ statt direkt zu übernehmen. Das Gefühl nach einem selbst geschafften „Ich hab’s geschafft!“ kann kein Lob der Welt ersetzen.
2. Lobe nicht nur das Ergebnis
„Du bist so schlau!“ klingt liebevoll. Noch hilfreicher kann es aber sein, konkret zu benennen, was dein Kind getan hat: „Du hast ganz schön lange daran ausprobiert.“ „Du hast nicht aufgegeben, obwohl es schwierig war.“ „Du hast dir richtig Mühe gegeben.“ So lernt dein Kind: Nicht nur das perfekte Ergebnis zählt. Auch Ausprobieren, Durchhalten und Lernen sind wertvoll.
3. Nimm die Gefühle deines Kindes ernst
Selbstvertrauen bedeutet nicht, keine Angst zu haben oder niemals traurig zu sein. Wenn dein Kind sich etwas nicht traut, hilft ein „Du brauchst doch keine Angst zu haben“ deshalb oft weniger als wir denken. Versuch lieber: „Ich sehe, dass du dich gerade nicht traust.“ Damit bestätigst du nicht, dass die Situation gefährlich ist. Du zeigst deinem Kind vielmehr: Meine Gefühle dürfen da sein.
Gerade bei großen Veränderungen kann Sicherheit besonders wichtig sein. Das gilt beispielsweise auch bei der Kita-Eingewöhnung wenn Kinder lernen, sich Stück für Stück von ihren Bezugspersonen zu lösen.
4. Lass dein Kind mitentscheiden
Kinder können natürlich nicht jede Familienentscheidung treffen. Aber kleine Wahlmöglichkeiten vermitteln ihnen Selbstwirksamkeit. „Möchtest du den roten oder den blauen Pullover?“ „Sollen wir zuerst Zähne putzen oder den Schlafanzug anziehen?“ Das klingt banal. Für ein kleines Kind bedeutet es aber: Meine Meinung zählt. Ich darf Entscheidungen treffen.

Und ja, manchmal bedeutet das auch, dass ein Outfit entsteht, bei dem wir Erwachsenen kurz schlucken müssen. Dann ist heute eben Gummistiefel-zum-Tüllrock-Tag.
5. Erlaube Fehler
Einer der schönsten Sätze, die wir unseren Kindern mitgeben können, ist vielleicht: „Das hat noch nicht geklappt. Wir versuchen es nochmal.“ Kinder beobachten sehr genau, wie wir selbst mit Fehlern umgehen. Wenn Mama beim kleinsten Missgeschick über sich selbst schimpft, lernen sie ebenfalls etwas daraus.
Wir dürfen deshalb ruhig vor unseren Kindern Fehler machen und sagen: „Ups, das habe ich falsch gemacht.“ Perfektion vermittelt Sicherheit nämlich längst nicht so gut wie die Erfahrung: Fehler passieren und danach geht es weiter.
6. Trau deinem Kind etwas zu
Es gibt einen Unterschied zwischen Beschützen und ständigem Warnen.
„Pass auf!“
„Nicht so hoch!“
„Du fällst!“
„Lass mich das machen!“
Diese Sätze rutschen wahrscheinlich fast allen Eltern heraus. Mir jedenfalls. Natürlich müssen wir unsere Kinder vor echten Gefahren schützen. Gleichzeitig brauchen sie Situationen, in denen sie ihre eigenen Fähigkeiten kennenlernen dürfen.
Dazu gehört auch freies Spiel. Warum Langeweile für Kinder wichtig sein kann, haben wir bei HerNow bereits ausführlicher erklärt.
7. Zeig deinem Kind Liebe unabhängig von Leistung
Vielleicht ist das der wichtigste Punkt überhaupt. Unser Kind sollte nicht das Gefühl bekommen, besonders liebenswert zu sein, wenn es etwas besonders gut gemacht hat. Die Eins war toll. Das Tor beim Fußball war toll. Das selbst gemalte Bild ist toll. Aber das Kind war vorher schon genauso wertvoll.
Diese Sicherheit – Ich werde geliebt, auch wenn ich verliere, wütend bin, etwas nicht kann oder einen Fehler mache – bildet eine wichtige Grundlage für ein stabiles Selbstbild.
Selbstvertrauen bei Kindern bedeutet nicht, dass sie immer selbstbewusst auftreten
Ein Kind muss nicht laut sein, sofort auf andere zugehen oder bei jeder Aufführung in der ersten Reihe stehen, um selbstbewusst zu sein. Auch ein zurückhaltendes Kind kann großes Vertrauen in sich selbst haben.
Deshalb sollten wir vorsichtig mit Sätzen wie „Sie ist eben schüchtern“ sein. Kinder hören diese Zuschreibungen und können anfangen, sie als Teil ihrer Identität zu übernehmen. Besser ist es, die konkrete Situation zu beschreiben: „Du möchtest gerade erst einmal bei mir bleiben und schauen.“
Was schwächt das Selbstvertrauen von Kindern?
Ständige Vergleiche können ziemlich weh tun auch wenn sie gar nicht böse gemeint sind. „Deine Schwester kann das doch auch.“ „Schau mal, Emma traut sich.“ Genauso schwierig können Beschämung, Abwertung oder unrealistisch hohe Erwartungen sein.
Auch beim Schimpfen macht es einen Unterschied, ob wir das Verhalten kritisieren oder das Kind selbst: „Das war nicht okay“ vermittelt etwas völlig anderes als „Du bist unmöglich.“ Und falls es doch einmal passiert? Dann dürfen Eltern sich entschuldigen. Kinder brauchen keine fehlerfreien Eltern. Sie brauchen Erwachsene, die Verantwortung übernehmen können.
Selbstvertrauen und Selbstständigkeit gehören zusammen
Je älter Kinder werden, desto häufiger möchten sie Dinge selbst entscheiden und erledigen. Das kann uns Eltern wahnsinnig machen, gleichzeitig ist es ein wichtiger Entwicklungsschritt. Wer seinem Kind altersgerecht Verantwortung überträgt, sendet eine ziemlich starke Botschaft: Ich vertraue dir das zu.
Auch die Sprachentwicklung deines Kindes spielt dabei eine Rolle. Je besser Kinder ihre Wünsche, Ideen und Gefühle ausdrücken können, desto mehr Möglichkeiten haben sie, sich aktiv einzubringen.
Mein Kind traut sich wenig – muss ich mir Sorgen machen?
Nicht jedes vorsichtige Kind hat zu wenig Selbstvertrauen. Temperament spielt eine große Rolle. Manche Kinder springen kopfüber ins nächste Abenteuer, andere beobachten erst einmal zehn Minuten vom Rand. Beides darf sein.
Wenn starke Ängste oder Unsicherheit dein Kind allerdings dauerhaft einschränken, es sehr unter seinem Selbstbild leidet oder sich auffällig stark zurückzieht, kannst du das bei der Kinderärztin oder dem Kinderarzt ansprechen.
Wir können unseren Kindern nicht jeden Zweifel nehmen
Und vielleicht müssen wir das auch gar nicht. Ich werde meiner Tochter nicht ersparen können, dass sie irgendwann an sich zweifelt. Jemand wird gemein zu ihr sein. Etwas, das sie unbedingt möchte, wird nicht funktionieren. Sie wird Fehler machen, verlieren und wahrscheinlich irgendwann mit gebrochenem Herzen bei mir sitzen. Ich kann ihr diese Erfahrungen nicht abnehmen.
Was ich aber tun kann, ist ihr vorher tausend kleine Erfahrungen mitzugeben, die sagen: Du kannst dir vertrauen. Du darfst Fehler machen. Du darfst Grenzen haben. Du musst nicht perfekt sein. Und dein Wert hängt nicht davon ab, ob andere Menschen dich gerade großartig finden. Wenn davon etwas hängen bleibt, haben wir als Eltern schon ziemlich viel richtig gemacht.
FAQ: Selbstvertrauen bei Kindern stärken
Wie kann ich meinem Kind mehr Selbstvertrauen geben?
Gib deinem Kind altersgerechte Möglichkeiten, Dinge selbst auszuprobieren, Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen. Nimm seine Gefühle ernst und zeige ihm, dass deine Zuneigung nicht von seiner Leistung abhängt.
Sollte man Kinder möglichst viel loben?
Lob kann schön sein, sollte aber nicht die einzige Quelle von Bestätigung werden. Statt pauschal „Super!“ zu sagen, kannst du Interesse zeigen und konkret beschreiben, was dein Kind geschafft oder ausprobiert hat.
Was tun, wenn mein Kind sehr schüchtern ist?
Dränge es nicht dazu, plötzlich besonders offen zu sein. Gib ihm Zeit, neue Situationen zu beobachten und Sicherheit aufzubauen. Zurückhaltung bedeutet nicht automatisch mangelndes Selbstvertrauen.
Was stärkt Kinder besonders?
Verlässliche Beziehungen, altersgerechte Selbstständigkeit, ernst genommene Gefühle, eigene Erfolgserlebnisse und die Erfahrung, auch nach Fehlern angenommen zu sein, können ein gesundes Selbstbild unterstützen.
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